Mit freundlicher Genehmigung des Haller Tagblattes hier abgebildet

Autor: MONIKA EVERLING, 19.03.2015


 

Souverän, sensibel, sicher

 
Schwäbisch Hall:Es ist eine Premiere: Zum ersten Mal steht ein Konzertflügel in der Haller Urbanskirche. Tomoko Takahashi spielt ihn brillant. Michael Hussla ist ein souveräner Cellist. Zusammen bieten sie feine Kammermusik.

Michael Hussla ist erster Solocellist der Deutschen Oper Berlin, Tomoko Takahashi ist Dozentin an der Universität der Künste (UdK) und der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin. Zwei arrivierte Künstler also, die in der Haller Urbanskirche vor etwa 100 Besuchern ihr großes Können und ihre musikalische Ausdruckskraft entfalten.

Michael Hussla gibt dem Publikum kurze Informationen zu den Stücken. So erfährt man, dass Beethovens Sonate für Cello und Klavier op. 69 in enger zeitlicher Nähe zu seiner fünften und sechsten Sinfonie entstanden ist – und kann gleich darauf im erklingenden Stück Gemeinsamkeiten mit diesen Werken erlauschen.

Im ersten, elegischen Satz der Sonate zeigt Hussla den vollen, sonoren Klang seines Cellos, auch an ganz leisen Stellen. Er kann aber auch bewusst fahle Töne produzieren. Im zweiten Satz mit seinem schroffen, ungeraden Metrum beweisen Hussla und Takahashi hervorragendes Zusammenspiel und im dritten Satz beeindruckt Takahashi mit selbstverständlicher Geläufigkeit auf den Tasten.

Es folgt ein Zeitenwechsel: Das nächste Werk ist aus dem 20. Jahrhundert. Doch der Bruch ist weniger groß, als man denken könnte. Samuel Barber (1910 bis 1981) ist kein Neutöner, sondern eher ein Spätromantiker. Seine Cello-Sonate op. 6 – ein Jugendwerk – startet expressiv, zerrissen, tragisch. Im zweiten Satz wählt Hussla einen großen Ton und viel Vibrato, im dritten Satz lässt Takahashi auf dem Klavier ein düsteres Grollen ertönen.

César Franck (1833 bis 1890) bildet mit seiner Sonate für Cello und Klavier A-Dur den Abschluss des Programms. Die ursprünglich für Geige geschriebene Sonate werde heute auf vielen Instrumenten gespielt, berichtet Hussla, und urteilt: „Aber auf dem Cello klingt sie am besten.“ Darin können beide Künstler noch einmal ihre Virtuosität und Musikalität unter Beweis stellen.

Es ist ein sehr schöner Kammermusikabend. Der Versuch, in der Kirche einen Flügel zu platzieren, ist gelungen. Die Künstler erhalten anhaltenden, kräftigen Beifall.

Info Das nächste Konzert des Freundeskreises Urbanskirche ist für den 31. Mai geplant. Dann erklingt zum zehnjährigen Bestehen des Freundeskreises Barockmusik.